Wenn Hanf, Pferd und Mutter dasselbe sind

Chinesisch-Unterricht am Gymnasium Miltenberg - 60 Schüler kämpfen mit Schrift und schwieriger Aussprache

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  M i l t e n b e r g .   Chinesisch steht derzeit bei Miltenberger Schülern hoch im Kurs. 60 Schülerinnen und Schüler belegen am Johannes-Butzbach-Gymnasium das Wahlfach Chinesisch. Dabei arbeitet das Gymnasium mit der Realschule Miltenberg in einem schulübergreifenden Projekt zusammen.

"Chinesisch macht Spaß und ist mal was anderes!", meinen Felix, Maria, Miriam und Peter, vier Schüler der 9. Klasse des Johannes-Butzbach- Gymnasiums, die seit Beginn des Schul-jahrs eine Stunde pro Woche Chinesisch lernen. Insgesamt 60 Schüler von Gymnasium und Realschule nehmen gerne eine weitere Sprache in Kauf - neben Englisch, Französisch oder Latein im Pflichtunterricht - , die noch dazu als sehr schwer gilt. "Die Vokabeln lassen sich schwerer merken, es gibt ja auch keine Eselsbrücken zu europäischen Sprachen", geben die vier Gymnasiasten zu. "Vor allem aber macht die Aussprache Schwierigkeiten mit den vier Tonhöhen, da kann man leicht mal was verwechseln."
Eine Silbe kann im Chinesischen vier verschiedene Bedeutungen annehmen, je nachdem wie man die Stimme hebt oder senkt. So kann die Silbe "ma" Mutter, Hanf, Pferd oder schimpfen bedeuten. "Das ist schon ganz anders als im Englischen", stimmen auch Alexander, Jan-Patrick, Marius und Max bei, vier Realschüler, die einmal in der Woche zum Chinesisch-Unterricht ans benachbarte Gymnasium kommen. Mit den Gymnasiasten gibt es dabei laut ihrer Aussage "überhaupt keine Probleme."
Warum aber die Schüler überhaupt die Schwierigkeiten mit der "exotischen" Sprache auf sich nehmen? "Chinesisch ist wichtig und wird in Zukunft immer wichtiger. Außerdem hat man damit bessere Berufschancen", so lautet die übereinstimmende Meinung.
Ein Trost: "Die Grammatik ist viel einfacher als in Deutsch oder Latein". Immerhin kennt das Chinesische keine Endungen, keine Deklinationen und Konjugationen. "…und das Lernen der fremden Schriftzeichen macht besonders viel Spaß!" Davon sind auch Frau Dr. Zou und Jingwen Liu-Rieger überzeugt, die beiden Lehrerinnen mit Muttersprache Chinesisch. Auf die Fort-schritte ihrer Schüler beim Schreiben sind sie sichtlich stolz. Dennoch sind sie sich bewusst, dass eine Unterrichtsstunde pro Woche gerade einmal zum Erwerb erster Grundkenntnisse ausreicht.
"Wünschenswert wäre natürlich eine Erweiterung des Unterrichtsangebotes", meint auch Joachim Fertig, der Schulleiter des Butzbach-Gymnasiums. Doch ist das im Rahmen der derzeitigen Mittel noch nicht möglich. Das bestehende Angebot für 60 Schüler kam überhaupt erst aufgrund der Zusammenarbeit der beiden Schulen zustande.
Ein besonderer Anreiz für die Chinesisch-Schüler ist die für Herbst 2008 geplante zweiwöchige Reise nach China. Diese Reise findet in der Tradition des Schüleraustauschs mit den beiden Partnergymnasien des JBG in Shanghai bereits zum dritten Mal statt. Nachdem im Sommer letzten Jahres die chinesischen Schüler in Miltenberg waren, brennen nun viele Miltenberger Schüler darauf ihre neu erworbenen Sprachkenntnisse selbst vor Ort anwenden zu können.

(Quelle: Markus Schwemmer, in: Bote vom Untermain, 28.02.2008)