Angst- und Hitzeschweiß am Straßenrand

Miltenberger Schüler zählen einen Tag lang Fahrzeuge

Miltenberg. "Ich dachte schon, ich werde jetzt wegen eines Verkehrsdelikts angehalten", sagt der junge Mann, als er am Mittwochmorgen in der Breitendieler Straße in Miltenberg von der Polizei an den Straßenrand gewunken wird. Dann die Erleichterung: Er soll Auskunft über seine Fahrt geben. 19 Schüler des Miltenberger Gymnasiums notierten einen Tag lang die Antworten im Rahmen einer Verkehrszählung.

Mit Warnwesten, viel Cola und sogar einem Taschen-Grill inklusive Steaks ausgestattet, standen die 19 Schüler des Johannes-Butzbach-Gymnasiums mit ihrem Erdkunde-Lehrer Volker Schmidt an der Breitendieler Straße und deren Nebenstraßen und zählten einen ganzen Tag lang Fahrzeuge. Auftraggeber war das Bauamt der Stadt Miltenberg, die Polizeiinspektion leistete Amtshilfe.

Hintergrund sind Pläne der Stadt Miltenberg zur Brücke am Ortsausgang über die Eisenbahnstrecke. Sie hat nur eine geringe Breite und Belastbarkeit. Die Stadt beabsichtigt, die Rampe der Brücke zu verbreitern und sie für Schwerlastfahrzeuge befahrbar zu machen. Für Zuschüsse des Freistaates muss die Stadt nachweisen, dass es sich um eine stark befahrene Ortsstraße handelt.

Schweißperlen standen den Schülern auf der Stirn, denn schon um acht Uhr morgens war es tropisch warm. Eher Angst- statt Hitzeschweiß stand hingegen vielen Autofahrern auf der Stirn, als die Polizei sie herauswinkte. Erleichert waren sie, als sie erfuhren, dass es sich um eine Verkehrszählung handelte und sie gleich wieder weiterfahren konnten. "Wo kommen Sie hier und wo fahren sie hin?", lautete die Standardfrage der Gymnasiasten, die bei der Zählung im Rahmen ihres Erdkundeunterrichtes mitmachten. Nur jedes zehnte Auto wurde angehalten und befragt, bei den restlichen vorbeifahrenden Fahrzeugen nur ein Strich auf der Liste eingetragen.

Gezählt wurde dabei auch der Durchgangsverkehr (Start und Ziel liegen außerhalb des betrachteten Raumes), Quell- und Zielverkehr (Ziel oder Start Breitendieler Straße). Ein erstes Ergebnis um 9 Uhr ergab, dass schon zu dieser frühen Zeit über 600 Fahrzeuge die Straße genutzt hatten. Die meisten fuhren zu ihrem Arbeitsplatz, so das Fazit. Laut einer früheren Zählung befahren diese Straße pro Tag rund 6000 Fahrzeuge. Wenn sich diese Zahl bestätigt, würde dies für die Stadt Miltenberg ausreichen, um für die Sanierung der Eisenbahnbrücke einen Zuschuss aus München zu bekommen.

(Quelle: Anja Keilbach, in: Bote vom Untermain, 13.07.2006)
 
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