Musterländle Unterfranken

Schulentwicklung: 150 Lehrer tauschen sich bei Podiumsdiskussion im Johannes-Butzbach-Gymnasium Miltenberg aus

Miltenberg. 150 Lehrer aus allen Schultypen Unterfrankens haben sich am Samstag für acht Stunden im Miltenberger Johannes-Butzbach-Gymnasium getroffen. Unter dem Motto "Schulen weiterentwickeln - wir unterstützen Sie!" stellten sie Netzwerke vor, die die innere Schulentwicklung voranbringen sollen.

Ein zentraler Satz des JBG-Schulleiters Joachim Fertig gab eine aktuelle Entwicklung wieder: "Methoden von Unternehmen werden immer stärker auf die Schule übertragen." Da stelle sich die Frage, ob die Rahmenbedingungen stimmten, und wie es um den Bildungsbegriff und um die Werteerziehung stehe.

"Wer den Fortschritt nicht mitmacht, der muss ihn erleiden." (Dr. Gerald Klenk, Famos)

Darum ging es auch in der Podiumsdiskussion, die Alexander von Ammon vom Bayerischen Rundfunk mit Humor und Schlagfertigkeit moderierte, als die Vertreter von drei Schulen über ihre Erfahrungen mit der externen Evaluation berichteten. Dr. Gerald Klenk von der Freien Arbeitsgemeinschaft für Moderatoren in der Schulentwicklung (Famos) formulierte einige Kernthesen wie: "Wer den Fortschritt nicht mitmacht, der muss ihn erleiden." Klenk berichtete auch von Widerständen in Schulen nach dem Motto "Was sollen wir denn noch alles machen?" Für den Regierungsbezirk Unterfranken aber hatte der Mittelfranke großes Lob parat: "Unterfranken ist das Musterländle bei der Schulentwicklung."

Weitgehend positiv war das, was die sechs Schul-Vertreter zu sagen hatten. So positiv, dass der Moderator provokativ fragte: "Sind denn hier nur Musterschulen anwesend?" Rektor Peter Reuter von der Grundschule Stockstadt berichtete von Erfolgen bei der internen und bei der externen Evaluation. Er räumte ein, dass es gut gewesen sei, sich freiwillig zu dieser Überprüfung zu melden, und nannte ein konkretes Ergebnis: "Seitdem wir so gut abgeschnitten haben, fällt es uns viel leichter, gegenüber unserem Sachaufwandsträger konkrete Forderungen zu stellen."

Dr. Kurt Blaschke, Schulleiter des Balthasar-Neumann-Gymnasiums Marktheidenfeld, und Wenzel Breitschafter, Leiter der dortigen Steuergruppe, hoben hervor, dass der Ausschuss bei ihnen "demokratisch vom Kollegium gewählt" wurde. "Man muss erst einen Boden an der Schule schaffen", formulierte Blaschke. Als schulspezifisches Element stellte er die intensivierte Zusammenarbeit mit den Grundschulen vor, wodurch der Übergang zum Gymnasium möglichst problemlos gestaltet werden solle.

"Wenn ich die Eltern ins Boot hole, werfen sie nicht von außen mit Steinen." (Wenzel Breitschafter, Steuergruppe Marktheidenfeld)

Dr. Fritz Schott, stellvertretender Leiter der Berufsschule Miltenberg-Obernburg, und Bernd Kahlert, Leiter der dortigen Steuergruppe, betonten, dass an ihrer Schule die Evaluation kein Problem gewesen sei, weil man durch den engen Kontakt mit den Betrieben ohnehin immer unter Beobachtung und Erfolgskontrolle stehe. Breitschafter formulierte schließlich handfest und anschaulich, welche Vorteile ein solcher Entwicklungsprozess mit sich bringt: "Wenn ich die Eltern ins Boot hole, werfen sie nicht von außen mit Steinen."

Eher allgemein war das, was Studiendirektor Boris Hackl, Geschäftsführer Bildungspakt Bayern, und Verantwortlicher des Kultusministeriums für die Schulentwicklung, in der Schule zu sagen hatte, in der er vor vielen Jahren selbst als junger Lehrer unterrichtete. In diesem Prozess, der seit 2000 laufe, gehe es jetzt um "Verstetigung". Es sei nicht mehr zu ändern, dass die Schulen immer mehr von außen "gemessen und geprüft" würden. Das müsse man akzeptieren, ohne in Hektik zu geraten.

In einer Schullandschaft, in der auch bei den Gymnasien in Bayern die Unterschiede immer größer würden, gebe es keine "Patentrezepte". Die Antwort: "Mehr Eigenverantwortung der Schulen" und eine Forderung: "Die Schulfamilie muss an einem Strang ziehen." In Zukunft werde der Schulentwicklung eine immer größere Bedeutung zukommen, denn sie sei "ein Basisprozess mit dienender Funktion" .

(Quelle: Heinz Linduschka, in: Bote vom Untermain vom 22.06.2009)

Netzwerk-Angebote mit Adressen und Ansprechpartnern:

1. Unterrichtsentwicklung Volksschulen mit "Kollegiumsorientierter Unterrichtsenwicklung". Ansprechpartnerin: Margit Walch, Römerstraße 1, 97084 Würzburg. Telefon: 0931-60224.

2. Berater für die Weiterentwicklung der Grundschule mit Fortbildungsbausteinen zu unterschiedlichen Themen. Ansprechadresse: weber.kerstin@vsniederwerrn.de.

3. Schulentwicklungsmoderatoren Volksschule unterstützen Schulen beim Veränderungsprozess. Ansprechadresse: christoph@reinwald-hartmann.de

4. Schulentwicklungsmoderatoren an Realschulen helfen bei der Gestaltung eines pädagogischen Tages, bei der Leitbildentwicklung und der Zielvereinbarung und bei anderen Projekten der inneren Schulentwicklung. Ansprechadresse: re-wue3@t-online.de.

5. Das Netzwerk für die Schulentwicklung an Gymnasien in Unterfranken unterstützt die innere Schulentwicklung, angefangen von Regionalen Lehrerfortbildungen über das Einsetzen schulartübergreifender Steuergruppen bis hin zur externen Evaluation. Ansprechadresse: mhunger@mbu-gym.de.

6. Schulentwicklungsteam FOS/BOS Nordbayern informiert und berät Fachoberschulen und Berufsoberschulen in Fragen pädagogischer Schulentwicklung, begleitet den Prozess und macht Angebote zur schulinternen Lehrerfortbildung. Ansprechadresse: mbfosbos@odn.de, Homepage: www.mbnord.de.

7. Moderatorenteam für berufliche Schulen der Regierung von Unterfranken stellt Angebote für Unterrichtsentwicklung, Organisationsentwicklung und Personalentwicklung vor. Ansprechadresse: kate-net@web.de.

8. Wahrnehmungs- und wertorientierte Schulentwicklung hilft bei Formulierung, Umsetzung und Überprüfung von Leitbild, Schulprogramm und Zielen innerer Entwicklungsarbeit. Ansprechadresse: irmgardfranz@web.de.

9. Landesprogramm für die gute, gesunde Schule -- Anschub.de bietet ein Programm für eine systematische Schulentwicklung nach gesundheitlichen Aspekten an. Ansprechadresse: eva.schorer@gmx.de.

10. Freie Arbeitsgemeinschaft für Moderatoren in der Schulentwicklung FAMOS ist ein länderübergreifendes Netzwerk für Moderatoren, Berater und Organisationsentwickler und unterstützt die Vernetzung von Ideen und Konzepten durch die persönliche Begegnung. Ansprechadresse: gerald.klenk@t-online.de.

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