»Von Miltenberg nach Berkeley.
Eine akademische Karriere in unruhigen Zeiten«
8. Butzbach-Abend mit Fritz Tubach - 24.05.2004

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Professor Fritz Tubach, mittlerweile weltbekannter Autor, besuchte das heutige Johannes-Butzbach-Gymnasium bis in die Obersekunda (11. Klasse). Allein und mittellos riss er sich "von seiner Familie und seinem Dorf" (Kleinheubach) los, fuhr mit dem Zug über Aschaffenburg nach Bremerhaven und verließ von dort am 08.06.1949 Deutschland mit einem Frachtschiff, um nach Amerika auszuwandern.
Durch zielbewusstes Studium und Arbeiten machte er dort Karriere; er brachte es zum Professor für deutsche Literatur an der renommierten Universität Berkeley in Kalifornien. Er schrieb viele Bücher, das wichtigste war ohne Zweifel »An Uncommon Friendship« (deutsche Übersetzung: »Eine ungewöhnliche Freundschaft - Zwei Leben im Schatten des Holocaust«), das von der Washington Post als eines der besten Bücher des Jahres 2001 bezeichnet wurde. In diesem Buch erzählt Fritz Tubach sein Leben und das seines gleichaltrigen Freundes Bernat Rosner, der als ungarischer Jude Auschwitz überlebt hat.

Fritz Tubach gab einen unterhaltsamen und nachdenklich machenden Überblick über sein Leben und Werk. Geboren wurde er 1930 in San Francisco als Sohn einer Amerikanerin und eines deutschen Musikers, er wuchs jedoch in dem damals idyllischen Kleinheubach bei Miltenberg auf und besuchte dann in Miltenberg die "Oberschule", seit 1946 "Gymnasium mit Oberrealschule, Oberschule im Abbau" genannt, Vorläufer des JBG.
Fritz Tubach vermittelte den Zuhörern anschaulich sein Anliegen, gewissermaßen Mittler zwischen den Kulturen zu sein, also in Amerika das Verständnis für deutsche Literatur und deutsche "Befindlichkeiten" zu fördern, aber ebenso in umgekehrter Richtung die USA als ein pluralistisches Land zu begreifen, trotz der vielleicht in den Medien recht einseitigen veröffentlichten Meinung. Er gewährte dabei einen blitzlichtartigen Einblick in die wilden 60er Jahre, als sich die Studentenrevolten seit 1963 von seiner Universität Berkeley aus in die westliche Welt verbreiteten. Schwierig sei es damals gewesen eine Position einzunehmen, denn der damalige Gouverneur Ronald Reagan (der spätere US-Präsident) habe rigoros sogar den Campus der Universität per Hubschrauber überwachen lassen und die Universität für ihre Unbotmäßigkeit durch Streichung von Fördergeldern bestraft. Schnell sei die Gefahr entstanden, dass eine Schwarz-Weiß-Malerei entstanden sei, in die man rigoros hineingezogen wurde.
In der anschließenden durch die Oberstufenschüler Johannes Wolf und Alexander Huhn geleiteten Fragerunde nahm Fritz Tubach unter Anderem zu aktuellen politischen Themen Stellung, so auch zum Irak-Krieg. Dabei zeigte sich, dass er trotz oder vielleicht gerade wegen seiner beeindruckenden Karriere seinen kritischen Geist und auch eine wohltuende Bodenständigkeit im positiven Sinne bewahrt hat.
Er äußerte sich angetan vom modernen Zustand des heutigen Johannes-Butzbach-Gymnasiums, dessen Ursprungsschule er in dem alten Sandsteingebäude in der Nähe des Schwimmbades in Miltenberg besucht hat. Manchen Lehrern seiner Zeit zollte er Lob, hätten sie doch den kritischen Geist der Jugend gefördert oder die Umwälzungen der damaligen Zeit erkannt, indem sie ihre Schüler zum Studium der englischen Sprache anhielten. Andere hätten jedoch seit der Weimarer Zeit ihren Untertanengeist bewahrt und dies im Unterricht zum Ausdruck gebracht.