»Der Geruch ist immer noch der Gleiche«

Domkapitular berichtet über Erfahrungen in Erwachsenenbildung

M i l t e n b e r g . Persönlichkeitsbildung lässt sich nicht verordnen, aber fördern, so das Fazit von Dr. Helmut Gabel am Donnerstag im Johannes-Butzbach-Gymnasium . Der Domkapitular war der diesjährige Gast des Butzbach-Abends.
"Die Schule hat eine buntere Atmosphäre bekommen, aber sie riecht genau wie vor 32 Jahren" erinnerte sich der Referent, Domkapitular Dr. Helmut Gabel. Seit seinem Abitur hatte der gebürtige Collenberger seine ehemalige Schulstätte nicht mehr besucht. Mit der Einladung des Freundeskreises des Gymnasiums konnte der Domkapitular nicht nur über seinen beruflichen Werdegang berichten, sondern auch schulische Erinnerungen auffrischen.
Dem Thema seines Vortrages "Von der Wissensvermittlung zur Persönlichkeitsbildung" legte der 50-Jährige seine Lebens- und Berufserfahrungen zu Grunde. Gabel wurde 1979 zum Priester geweiht. 14 Jahre lang war er in der Priesterausbildung tätig. Als Domkapitular ist er seit 1998 neben der Fortbildung von Pastoren auch in der Erwachsenenbildung der Diözese tätig.
Bei der Persönlichkeitsbildung sei die Informationsvermittlung ebenso wichtig wie Schlüsselqualifikationen. Er selbst habe als erfolgreicher Abiturient im Priesterseminar ein hohes Ansehen wegen seiner umfangreichen Bildung genossen. Aber durch fehlende Sozialisation habe er Mühe bei zwischenmenschlichen Begegnungen, etwa in der Bibelstunde, gehabt.
Im Allgemeinen brauche es angemessene Lernformen bei der Persönlichkeitsbildung: Ob dies ein auf personenzentriertes Vorgehen bei der Methodik sei oder das Lehren einer Gruppe. Lehrer können erst durch genaue Analyse ihrer Schüler und deren Umfeld mit Methode erfolgreich lehren, so der Domkapitular.
Schaffe es der Lehrer auf die Schüler einzugehen, wecke er ihr Interesse und befähige sie so zum Lernen. Daran könne die Persönlichkeit erst reifen. Verstehe ein Schüler, dass er mit den Instrumenten Bildung und Methodik ein Problem lösen könne, so sei der elementare Schritt beim Lernen gemacht. Ohne das Interesse und die Selbsterfahrung könne die Wechselbeziehung zwischen Einstellung und Methodik nicht fruchten. Diese Grundlage erlaube es der Bildung erst, den Status der reinen Informationsvermittlung zu überwinden.

Persönlichkeitsbildung fördern

"Verordnen lässt sich Persönlichkeitsbildung nicht, aber man kann sie fördern", so das Fazit aus Gabels Vortrag. Die Antwort, ob sich seine Erfahrungen auf den Schulalltag übertragen lasse, überließ der promovierte Theologe dem fast ausschließlich aus der aktiven und pensionierten Lehrerschaft bestehendem Publikum.
Der Freundeskreis des Gymnasiums will in den nächsten Jahren versuchen, auch eine weibliche Referentin für die Butzbach-Abende zu gewinnen. Denn auch die acht Referenten vor Gabel waren allesamt männlich. Schließlich dürfte es möglich sein, eine Frau zu finden, die das Johannes-Butzbach-Gymnasium besucht und Erfolg im Beruf hat. Zeit dazu hat der Freundeskreis ein Jahr. Dann findet die nächste Veranstaltung statt.

(Quelle: ali, Bote vom Untermain, 03.12.05)

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