»Die Regenfänger von Maharashtra«

Pater Robert D'Costa berichtet über basisorientierte Entwicklungshilfe in Indien
Über ein Beispiel, wie Entwicklungshilfe erfolgreich verlaufen kann, berichtete der indische Jesuitenpater Robert D'Costa am Mittwochvormittag vor Schülern der K 12.
"Die Wüsten blühen wieder". Dieses biblische Wort wird in den sogenannten "Watershed-Programmen" der indischen Jesuiten verwirklicht. Versteppte, ja zum Teil verwüstete Landschaften werden durch einfache Bodenarbeiten und Wiederaufforstung wieder bewohnbar und landwirtschaftlich nutzbar gemacht. Dazu erhalten die Menschen, meist Ureinwohner und in Indien die Ärmsten der Armen, Hilfen im wirtschaftlichen und sozialen Bereich. Pater Robert hat ein solches Programm u. a. in Thakkarwadi im Bundesstaat Maharashtra durchgeführt.
Das Hauptproblem der Tribals (Angehörige der Stammesgemeinschaft) bestand darin, dass sie sich infolge der durch Holzeinschlag (etwa für den Bau der Eisenbahn) und Übernutzung des Bodens eingetretenen Versteppung in ihrem hoch gelegenen Gebiet nicht mehr selbst mit landwirtschaftlichen Gütern versorgen konnten und sich deshalb im Tal bei den reicheren Bauern als Tagelöhner verdingen oder mit ihren Kindern zusammen im Straßenbau für einen Hungerlohn (etwa 80 Cent am Tag) arbeiten mussten. So waren nahezu alle Kräfte in dieser Arbeit gebunden und keine Möglichkeit für eine Verbesserung der Situation aus eigener Kraft mehr gegeben. U. a. fehlende Bildung, medizinische Versorgung und sicher auch ein gewisses Verkennen der eigenen Möglichkeiten führten dazu, dass sich die Tribals selbst am Rande der Gesellschaft sahen und Fremden gegenüber äußerst ängstlich auftraten. Für Pater Robert eine Herausforderung, die er in vielen Gesprächen mit viel Geduld meisterte. Er schaffte es, die Tribals für das Watershed-Programm, hinter dem ein ganzer Stab von Mitarbeitern steht (von Technikern, Wissenschaftlern, Mitarbeitern aus Politik und Verwaltung und Entwicklungshilfeorganisationen), zu gewinnen und zu begeistern.





Durch verschiedene technische Maßnahmen, die die Tribals selbst durchführten (z. B. Ziehen von Gräben entlang der Höhenlinien, Anpflanzen von verschiedenen Sträuchern, Bäumen und Nutzpflanzen, Säubern und Neuanlage von Brunnen u. ä.) konnten innerhalb kürzester Zeit - z. T. schon von einem Jahr zum nächsten - das Land wiederbegrünt und die ersten Ernten eingefahren werden. Dadurch war es den Tribals möglich, sich selbst mit einigen wichtigen Grundnahrungsmitteln (z. B. Basri, Zwiebeln) zu versorgen und die Überschüsse sogar auf den lokalen Märkten zu verkaufen.
Dazu kamen Maßnahmen zur Alphabetisierung zunächst der Erwachsenen, die in kurzer Zeit lesen und schreiben lernten und damit ihr Wissen an die Kinder weitergeben können. Erst dadurch ist es den Kindern möglich, an eine höhere Schule in der Stadt zu gehen.
Kostenlose medizinische Untersuchungen durch engagierte Ärzte, die in ihrer Freizeit die Tribals behandeln, komplettieren die wichtigsten Maßnahmen zur Basisversorgung.
Trotz der Tatsache, dass der Vortrag in englischer Sprache gehalten wurde, lauschten die Zuhörer im Medienraum aufmerksam den Ausführungen von Pater Robert. In der anschließenden Diskussion konnten offene Fragen geklärt werden, u. a. auch, ob die Tribals ihn als eine Art "Helden" sehen würden. In seiner bescheidenen Art wies Pater Robert darauf hin, dass die Tribals schließlich selbst ihre Zukunft in der Hand und nur einen Anstoß dazu gebraucht hätten ("Hilfe zur Selbsthilfe"). Im übrigen könne er nicht anders als viel Zeit mit den Menschen vor Ort zu verbringen und in Gespräche zu investieren. Ohne das Vertrauen der Dorfbewohner wäre das Projekt nicht erfolgreich gewesen.

Vielen Dank auch an die Damen der Erbacher-Stiftung!

(B. Weitz, 24.06.2006)