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»Es ist Zeit zu gehen«Minutenlanger Beifall beim Abschied von Lehrer Gerhard Schneider in den Ruhestand |
K r e i s M i l t e n b e r g . Minutenlanger Beifall in der Aula des Miltenberger Gymnasiums. Alle Beschwichtigungsgesten des Schulleiters helfen nichts, erst als Gerhard Schneider ans Mikrofon tritt, wird es ruhiger. »Das geht alles von Eurer Ferienzeit ab«, ruft er und prompt wird es still. Die durchdringende Stimme des Pädagogen wird künftig fehlen, denn am Freitag war Schneiders letzter Arbeitstag. Mit Ablauf des Schuljahres geht der geborene Nördlinger, der in den letzten 30 Jahren im Landkreis Miltenberg seine Heimat gefunden hat, in die Ruhephase der Altersteilzeit. »Ich wollte unbedingt hierher« Warum Schneider ausgerechnet in Miltenberg gelandet ist, ist einfach erklärt: »Ich wollte unbedingt hierher«. Seine Mutter stammte aus Miltenberg und die großen Ferien verbrachte der kleine Gerhard stets bei den Großeltern in der Stadt am Main. So entwickelte sich die Liebe zu Miltenberg, wo er sich immer »sauwohl gefühlt« hat. Hier hat er ein Haus, wo er mit seiner Frau lebt. Auch aus den Kindern ist etwas geworden: Der Sohn ist Wirtschaftsinformatiker, die Tochter Lehrerin. »Nach 35 Jahren Schuldienst ist es Zeit, zu gehen«, sagt der Lehrer für Latein, Griechisch, Geschichte und Ethik, »außerdem wollte ich auch halbwegs gesund in den Ruhestand gehen. »Die Zeit am Johannes-Butzbach-Gymnasium war die schönste Zeit meines Lebens«, blickt Schneider zurück und man glaubt es ihm, denn seine Augen werden feucht dabei. Angst vor dem letzten Schultag Vor seinem letzten Schultag und der Verabschiedung hatte er Angst, gibt Gerhard Schneider offen zu, vermutlich hätte er stattdessen lieber irgendwo stundenlange Schwerstarbeit geleistet. So aber steht er am Freitagmorgen in der Aula des Johannes-Butzbach-Gymnasiums und blickt tapfer den Lehrern und Schülern ins Auge, die nicht mit Lobesworten sparen. Kein Zweifel - Gerhard Schneider war sehr beliebt bei Schülern und Lehrern. Viele Schüler können sich noch an seine legendären Latein-Schulaufgaben erinnern, die er im Comic-Stil stellte und Krimis zum Inhalt hatten. Das führte dazu, dass die Pennäler lieber die Comic-Männchen ausmalten, statt die Fehler auszumerzen. Aber auch wenn man den Studiendirektor nicht als Lehrer hatte, so kam jeder in den Genuss, seiner Stimme lauschen zu dürfen. »Seine Lautsprecherdurchsagen sind in den letzten Winkel des Schulgebäudes gedrungen«, erklärt Schulleiter Joachim Fertig und viele Schüler grinsen bei diesen Worten. Schneider, darin sind sich Kollegen und Schüler einig, ist neben aller fachlicher Qualifikation immer ein Mensch geblieben - auch dann, als er die Zahl seiner Unterrichtsstunden reduzierte und zum »Mitarbeiter in der Schulverwaltung« berufen wurde. Dass ihn diese Tätigkeit sehr gefordert hat, beweist auch Schneiders überfüllter Schreibtisch am letzten Arbeitstag - von Abschied noch keine Spur. Noch während er Geschenke ordnet, muss er das Leerräumen der Klassenzimmer organisieren. Vielseitiger Lehrer Legendär auch Schneiders Vielseitigkeit: Die reichte von seiner Tätigkeit als Leiter der Bibliothek, als Verantwortlicher für die Verkehrserziehung, als Sicherheitsbeauftragter, als Organisator von Theateraufführungen und Schulkonzerten bis hin zu Schneiders technischem Verständnis. Die Siebtklässler haben das treffend formuliert, als sie ihr Lied mit der Passage »Er war der Chefreparierer für alle Kopierer« bereicherten. Statt Dankesworten am Ende der ganzen Lobpreisungen formuliert Schneider seine Wünsche an die Schüler: Dass sie ihre Lehrer übertreffen und in der Lage sein mögen, leere Wort- und Begriffshülsen zu erkennen. Keine Langeweile im Ruhestand Langweilig wird es ihm im Ruhestand nicht werden, ist Schneider überzeugt. Zum einen muss das Haus renoviert werden, zum anderen warten seine Hobbys Garten und Modelleisenbahn auf ihn. Den Frankenbund will er weiter unterstützen und auch der Freundeskreis Gymnasium wird weiter auf ihn zählen dürfen, verspricht er. Vielleicht beginnt er auch noch mit dem Fechten - einen goldenen Säbel hat er schon von seinem Lehrerkollegen Reinhold Behr bekommen. Auch sollten sich Passanten nicht wundern, wenn künftig in Schneiders Garten eine ungewöhnliche Fahne weht: Zum Ruhestand überreichte ihm Lehrerkollegin Martina Gronemann ein Unikat - eine eigens für Schneider angefertigte JBG-Fahne. (Quelle: Winfried Zang, in: Bote vom Untermain, 29.07.06) |