Absterbenden Bäumen fehlen genügend NährstoffeDr. Vera Thomas referiert an Miltenbergs Butzbach-Gymnasiumüber das Waldsterben ![]() Thomas berichtete in einem Vortrag über das Waldsterben den Lehrern und Schülern über ihre Arbeit am Baseler Forschungsinstitut für Angewandte Pflanzenbiologie. "Waldsterben. Gestern-Heute-Morgen" so das Thema von Thomas. Bevor die 34-Jährige ihre Forschungsarbeit am Baseler Institut erläuterte, machte sie zunächst einen Sprung in die Vergangenheit. "Saurer Regen - Unser Wald stirbt" lautete ein Titel des "Spiegel" im November 1981. Ein großes Medienecho sei die Folge gewesen, und bald sei das Thema Waldsterben in aller Munde gewesen, erzählt Thomas. Bilder mit kahlen, abgestorbenen und kranken Wäldern bestätigten die Schlagzeilen der Achtziger. Thomas erläutert zunächst die damals ergriffenen Gegenmaßnahmen, die sich vor allem auf Versauerungs- und Ozonhypothesen stützten. So hat man in deutschen Böden einen PH-Wert von 2,8 gemessen - der Boden war saurer als Essig. Auch die Ozonwerte sind in ländlichen Regionen stets höher als in Städten, wo das verantwortliche Stickstoffdioxid schneller abgebaut wird. Um dem schlechten Zustand der Wälder entgegenzutreten, wurden hauptsächlich kostspielige Düngungen und Kalkungen vorgenommen, die dem Boden wieder zu PH-Werten im Normalbereich verhelfen sollten. Auch Katalysatoren wurden Pflicht; Entschwefelungsanlagen sollten ebenfalls zur Verbesserung beitragen. Heutzutage spreche kaum mehr einer über das Thema Waldsterben. Aus den Medien sei die Problematik ebenfalls verschwunden. "Dass die Wälder nicht gestorben sind, sehen wir. Doch wie geht es ihnen?", fragt die Biologin. Genau dieser Frage geht sie mit ihrer Arbeit am Forschungsinstitut für Angewandte Pflanzenbiologie nach. Seit 20 Jahren werden hier Forschungen an Buchen und Fichten in über 120 Waldflächen, die über die ganze Schweiz verteilt sind, betrieben. Diese langjährige Forschung ist wichtig, um den Gesundheitszustand der Wälder richtig zu beurteilen, da Veränderungen im Wald schleichend vorangehen. Bei den diversen Untersuchungen wurde unter anderem eine zunehmende Kronenverlichtung festgestellt. Auch bei den Messungen des Stammzuwachses ist eine stetige Abnahme erkennbar, wie Thomas anhand von Grafiken verdeutlichte. Ebenfalls bedenklich sind die Ergebnisse diverser Nährstoffanalysen, anhand welcher die Forscher sowohl Phosphor- als auch Magnesiummangel in den Pflanzen nachweisen konnten. Deutlicher Mangel an Regenwürmern Ein weiteres Indiz für deutliche Probleme sei die Tatsache, dass in bestimmten Flächen nicht einmal mehr Regenwürmer zu finden seien. Zwei Mitarbeitern des Instituts suchten und zählten diese tatsächlich in den rund 120 Flächen, wie Thomas zu berichten wusste.Der Grund für diese Ergebnisse ist eine erhöhte Ozonbelastung sowie vor allem ein zu hoher Stickstoffanteil. Dieser wird häufig durch die Gülleeinbringung der Bauern verteilt. Die Folge von zu hohen Stickstoffkonzentrationen sind demnach Versauerungen, Nährstoffungleichgewichte sowie Wachstumsreduktionen. Zudem sind stickstoffbelastete Wälder angreifbar für Parasiten, Trockenstress und Windwurf, wie Thomas zusammenfasste. Ein weiteres Anzeichen für einen geschädigten Wald sei außerdem die so genannte Eutrophierung: Pflanzen, wie zum Beispiel Brennesseln, schwarzer Holunder oder Brombeersträucher, wuchern auf dem Waldboden und verhindern somit den Jungwuchs von Bäumen. Gegen diese Zustände anzukämpfen, sei nicht gerade einfach, so Thomas. In der Schweiz werde versucht, auf die Bauernlobby einzuwirken und diese zu anderen Methoden der Gülleeinbringung zu überreden. Dass sich viele dagegen sträubten, sei nicht das einzige Problem. "Werden bestimmte Werte, wie beispielsweise der des Stickstoffs, überschritten, bleiben strafrechtliche Folgen aus", so Thomas. Zusammenfassend meinte sie, dass die Wälder auch in Zukunft nicht einfach absterben werden, es aber durchaus Probleme gebe, die man ernst nehmen sollte. Auf die Frage eines Gastes der wissen wollte, ob man Berichten glauben schenken könne, das Allgäu habe sich vom Waldsterben erholt, meinte Thomas nur: "Mit solchen Berichten sollte man immer vorsichtig sein. Denn verbessern kann sich wenig". (Quelle: Alexandra Stahl, in: Bote vom Untermain, 27.11.2006) |