Was wir von den alten Müllersleut' noch heute lernen können

Erneuerbare Energien: Dr. Erich Ortmeier von der TU München zeigt im Johannes-Butzbach-Gymnasium alternative Wege der Energieerzeugung auf

M i l t e n b e r g .   Einen kleinen Vorgeschmack auf die Universität haben die Oberstufenschüler des Johannes-Butzbach-Gymnasiums (JBG) am Freitag bekommen: Dr. Erich Ortmeier, ehemaliger Akademischer Direktor der Technischen Universität München, referierte knapp zwei Schulstunden lang über das Thema erneuerbare Energien. Möglich gemacht hatte die Aktion die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung.

Ortmeier ist zwar schon im Ruhestand, von Ruhe aber war während seines Vortrags keine Spur. Mit Enthusiasmus und reichlich Fachwissen brachte der Energie-Experte den Schülern erneuerbare Energien aus technischer, ökologischer und wirtschaftlicher Sicht detailliert näher.

"Eine Prognose der Weltbank sagt aus, dass der Weltenergiebedarf massiv steigen werde", sagte Ortmeier und fügte hinzu, dass aber die vorhandenen Energiequellen nicht ausreichen beziehungsweise nicht mehr Jahrhunderte in dieser Menge ausreichen werden.

Darüber hinaus sei eine immer breiter werdende Bevölkerungsschicht gegenüber den ökologischen Wirkungen des vom Menschen verursachten Energieumsatzes sensibilisiert. Daher müsse man unbedingt auf regenerative Energien, also nicht erschöpfliche Energieträger, umsteigen, die es zwar schon gäbe, aber noch nicht ausschöpfend genutzt werde.
Ortmeier nannte konkrete Beispiele wie die Solarenergie, die vielerorts schon angewendet wird. Allerdings sei bedingt durch die wenigen Sonnenscheinstunden in unseren Breiten im Winter immer noch eine zusätzliche Heizung nötig. Auch seien die Dächer der Häuser für eine breite Auslegung der Anlagen gar nicht vorgesehen, daher setzte sich dies nur langsam durch.

Anders dagegen sei die Nutzung von Fotovoltaik-Anlagen, die hauptsächlich im industriellen Bereich zu finden sei. Der Energie-Experte der TU München bezeichnete diese Methode als mittlerweile rentabel, da der Strom der örtlichen Energieversorger in das öffentliche Stromnetz eingespeist werde. Ortmeier zeigte zur Veranschaulichung einige Strom-Rechenbeispiele am Diaprojektor.

Auch bei der Windenergie zeigte Ortmeier auf, dass diese Art von Energienutzung schon ziemlich früh existierte. Die Müller mahlten ihr Mehl schon seinerzeit mit Windmühlen, die es heutzutage immer noch gibt. Allerdings gelte auch hier die Devise, dass bei Windstille andere Kraftwerke "Stand by" laufen müssten.

Anders sehe es aus bei der Erzeugung von Strom aus Biomasse. Diese Art der Energiegewinnung ist steuerbar und CO2-Neutral. Ein großer Vorteil der Biomasse sei außerdem deren Speicherfähigkeit.

Holzpelletheizungen haben in den letzten Jahren technische enorme Fortschritte gemacht. Je größer, desto wirtschaftlicher seien die Anlagen. Voll des Lobes sprach sich der Experte für das in Schweinfurt gefertigte Senertec-Blockheizkraftwerk zur Kraft-Wärme-Kopplung aus, das schon in Wohnhäusern Sinn machen würde.

Etwa 85 Prozent sollte man mit einer Biomasseanlage abdecken, den Rest zum Beispiel mit einer vorhandenen Ölanlage, wobei diese unter Umständen auf Rapsöl umgerüstet werden könnte.

Große Chancen räumte der Münchner Fachmann der Veredelung von Biogas auf Erdgasqualität ein, das in das Erdgasnetz eingespeist werden könnte. Gegen Ende seines Vortrags erklärte Ortmeier etwas ausführlicher die Brennstoffzelle und stellte sich den drei Fragen der über 80 künftigen Abiturienten.

(Foto/Text: Anja Keilbach, in: Bote vom Untermain, 14.04.2008)

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