Ein Bajonett bringt keinen Frieden

Soldaten im Ausland: Klaus Reinhardt berichtet JBG-Schülern von seinen Erlebnissen als General der Bundeswehr


Miltenberg. Drei Mal wurde auf ihn geschossen. Drei Mal hat er Glück gehabt. Dass er 41 Jahre lang bei der deutschen Bundeswehr war, bereut Dr. Klaus Reinhardt nicht. Den Zwölftklässlern des Johannes-Butzbach-Gymnasiums (JBG) berichtete der General a. D. am Donnerstag in der Schulcafeteria von seinen Erfahrungen bei Auslandseinsätzen.

Hier kämpfen junge Menschen, um Arbeit zu bekommen. Klaus Reinhardt, General a. D. Was macht man bei so genannten Friedensoperationen? Es gehe darum, nach dem Krieg wieder Normalität in ein Land zu bringen, sagte Reinhardt. Die innere Sicherheit spiele dabei eine wichtige Rolle: "Die Soldaten haben nur unterstützenden Charakter."

Dass er die Vorgehensweise der US-amerikanischen Regierung nicht immer für gut befindet, machte Klaus Reinhardt am Beispiel Paul Bremer deutlich. Der Antiterror-Experte wurde als Nachfolger von Jay Garner als US-Verwalter im Irak eingesetzt. Sein größter "Erfolg": 350 000 Arbeitslose, da er die dortige Armee aufgelöst hat. "Auslöser für die Revolution war nicht Al Kaida," so Reinhardt, "es waren die eigenen Leute im Land, die sich wehren wollten."

"Sie können über ein Bajonett nicht Frieden in ein Land kriegen. Sie müssen an die Bevölkerung rankommen, in dem sie den Menschen helfen." Nach 650 000 Toten, zwei Millionen Flüchtlingen und 2,2 Millionen Vertriebenen stünden nur noch 18 Prozent der amerikanischen Bevölkerung hinter dem Präsidenten, so Reinhardt. "Und das ist noch zu viel."
Dass die deutschen Soldaten im Ausland erfolgreich seien, zeige sich in Kabul, der Hauptstadt Afghanistans. Es sei wieder sicher in der Stadt, sagte Klaus Reinhardt. "Sicherer, als wenn Sie nachts um ein Uhr in Hamburg in die Straßenbahn einsteigen." Die Menschen in Kabul seinen froh drüber, dass sie die Deutschen hätten. Einen kurzen Abstecher machte der Redner nach Pakistan, wo die Taliban Probleme bereiten würden.

"Die Menschen bekommen Arbeit, Geld und ein Mofa, wenn sie Taliban werden." Ziel des Auslandseinsatzes dort ist es, 62 000 Polizisten auszubilden. Als Entlohnung sollen diese 300 Euro bekommen. "Ein Taliban bekommt 500 bis 600 Euro."

Im eigenen Land nicht toleriert

Im Kosovo sei die Lage ebenfalls besonders schwierig. Albaner wollen ein rein albanisches Kosovo und sprengen dafür schon mal serbische Kirchen in die Luft.

Der Altersdurchschnitt der zurückgezogen lebenden Serben liege bei 23 Jahren: junge, intelligente Menschen, die teilweise in Deutschland zur Schule gingen, die aber in ihrem eigenen Land nicht toleriert würden. "Hier kämpfen junge Menschen, um Arbeit zu bekommen."

Eine knappe Stunde ging Klaus Reinhardt auf die Situationen in den Kriegsgebieten ein. Immer wieder schimmerte seine persönliche Sicht der Dinge durch, was sich an der Kritik an der Bundes- und an der amerikanischen Regierung zeigte. Seine jungen Zuhörer wollten trotz Pausengong noch mehr von ihm wissen.

Gerade die menschlichen Aspekte rückten so in den letzten Minuten in den Vordergrund. Es ging um die psychische Belastung der Soldaten, Beziehungsprobleme und um die lebensbedrohlichen Situationen, aus denen der deutsche General - wie er selbst sagt - mit Glück unbeschadet davonkam.

(Quelle: Anja Adrian, in: Bote vom Untermain, 09.05.2008)

[Startseite]