Das Seelenheil durch ein Selbstmordattentat rettenVortrag: Das Selbstverständnis radikaler Muslime Miltenberg. War Mohammed ein Prophet oder Staatsmann? Waren die Attentäter des 11. September religiös oder gesellschaftlich motiviert? Carsten Polanz vom Institut für Islamfragen der deutschen evangelischen Allianz hat am Montag auf Einladung der Gesellschaft für Wehrkunde und Sicherheitsfragen, Sektion Miltenberg, den Zehnt- und Elftklässern des Johannes-Butzbach-Gymnasiums Grundlagen des muslimischen Selbstverständnisses erklärt und mit ihnen über den Toleranzbegriff gesprochen. Angesichts der Tatsache, dass Muslime eine wachsende Glaubensgemeinschaft sind und sich auch in Europa dauerhaft niedergelassen haben, sei die Diskussion um ein verständnisvolles Miteinander unumgänglich, begründete Dieter Meesmann von der Gesellschaft die Einladung des Islamwissenschaftlers. In seinem anderthalbstündigen Vortrag versuchte der Wissenschaftler, den Schülern die Grundlagen des Islam zu vermitteln, Das Wissen um den anderen, so das Fazit des Vortrags, sei genauso wichtig im Umgang mit seinem Gegenüber wie die eigene Position. Die Einstellungen gegenüber dem Islam reichten von Gleichgültigkeit bis hin zur paranoiden Wahrnehmung, in der der Glaube und seine Anhänger pauschal als terroristisch verurteilt werde. Spätestens der 11. September habe aber deutlich gemacht, dass sich die westliche Welt zu lange dem Thema verschlossen habe. Aufzeichnungen der World-Trade-Center-Attentäter hätten gezeigt, so Polanz, dass Mohammed Atta und seine Komplizen auch religiös motiviert waren und nicht nur gesellschaftspolitisch und antiamerikanisch. "Mohammed Atta war als Ingenieur mit gutem Abschluss kein Mensch ohne berufliche Perspektive oder gesellschaftlich frustriert", so der 26-Jährige. Vielmehr habe ihn sein Verständnis der Gottgefälligkeit, abgeleitet aus dem Rechtskodex Scharia, verleitet, unschuldige Menschen mit in den Tod zu reißen. "Im Islam steht das Gesetz Gottes über den Gesetzen der Menschen. Einer der Ideologen der Islamisten definiert deshalb die Freiheit als Ablehnung aller Arten und Formen von Systemen, die auf das Konzept der Souveränität des Menschen basieren", erklärt Polanz die Ablehnung westlicher Ideen. Die Kritik der Islamisten an der westlichen Lebensweise - sexuelle Freizügigkeit, Abtreibung, rücksichtsloser Individualismus - spiele ebenso eine Rolle wie die Angst um das Seelenheil, erklärte der Student, der derzeit an seiner Abschlussarbeit schreibt. Jesus habe sich am Kreuz für das Seelenheil der Menschen geopfert. "Der Moslem dagegen muss beim Jüngsten Gericht auf einer Waage mehr gute Taten vorweisen als schlechte, um in den Himmel zu kommen. Stirbt er für die Sache Gottes, verspricht der Koran eine Freifahrt in den Himmel", erklärte Polanz. Für Terroristen sei dies durchaus ein Motiv. Auf Wunsch der Gesellschaftsvertreter erläuterte Polanz auch die Stellung der Frau im Islam. Vier Frauen erlaube der Koran und die Aussagen der Frau vor Gericht gelte nur so viel wie die eines Mannes. Sie sei aber auch Zentrum der Familie und für deren Erhalt verantwortlich. "Der Ehebruch der Frau wird so drastisch bestraft, weil er mit der Zersetzung der Familie gleichgesetzt wird. Zu einer wirklichen Diskussion kam es während des mit Informationen vollgepackten Vortrags nicht. Der Referent beantwortete zwar einige Fragen, für einen Diskurs fehlte es den Schülern jedoch an Wissen. Um sich für ein friedliches Miteinander einzusetzen, müsse man über das eigene Fundament nachdenken, zuhören und eigene Ansichten bezeugen, gab Polanz den Schülern auf den Weg. "Toleranz braucht Respekt vor der Überzeugung anderer, nicht Verzicht auf die eigene Überzeugung", zitierte der angehende Magister. (Quelle: Ali Kale, in: Bote vom Untermain vom 16.06.2009) |
|