Schüler und Lehrer drehen Dialektfilm

Mundart: Achtklässler vom Butzbach-Gymnasium nehmen an "Fränki"-Projekt teil - Wissenschaftliches Arbeiten lernen


Miltenberg. Viele Wörter klingen ähnlich, manche allerdings auch völlig anders: "Im Kreis Miltenberg gibt es ganz unterschiedliche Dialekte", sagt Uschi Lehmann, Deutschlehrerin der 8d am Miltenberger Johannes-Butzbach-Gymnasium. Im Projekt "Fränki - Schüler in Unterfranken erforschen ihren Dialekt" wollen Lehmanns Achtklässler der Dialektvielfalt in ihrer Heimat nachgehen. Geplant ist unter anderem, einen Dialektfilm zu drehen. Der soll am 17. März 2010 bei einem Schülertag an der Universität Würzburg gezeigt werden.

Geheimnisse des Filmens

Ebenso wie ihr Kollege Sebastian Heim hat Uschi Lehmann noch nicht allzu viel Ahnung im Umgang mit der Kamera. Deshalb nahm sie am Wochenende an einer Lehrerschulung des Unterfränkischen Dialektinstituts (UDI), Initiator von Fränki, in Veitshöchheim bei Würzburg teil. Thomas Schulz vom Verein "Drehort Schule" führte ein Dutzend Lehrer in die Geheimnisse des Filmens ein. Ermöglicht wurde die Schulung von der Robert-Bosch-Stiftung, die Fränki seit 2007 unterstützt und ihre Förderzusage soeben bis 2011 verlängert hat. Das Johannes-Butzbach-Gymnasium ist eins von sieben unterfränkischen Gymnasien, die insgesamt 38 000 Euro Fördermittel bekommen. Durch das Filmprojekt wollen Lehmann und Heim ihren Schülern die Bedeutung von Dialekten nahebringen. Im Unterricht versuchen die Jugendlichen, Dialekt möglichst zu vermeiden, erklärt Heim, der die 8c unterrichtet: "Untereinander rutschen ihnen jedoch häufig Dialektausdrücke heraus."

Kulturell wertvoll

Das ist nicht schlimm. Im Gegenteil. Dialekte sind etwas kulturell Wertvolles - und sie sind spannend. Wie kann es zum Beispiel sein, dass Menschen, die nahe beieinander wohnen, bestimmte Dinge ganz anders nennen? Die 26 Schüler, die Uschi Lehmann unterrichtet, kommen aus acht verschiedenen Orten. Mit acht verschiedenen Dialekten. Interessant für Dialektforscher sind Stippvisiten bei alten Leuten ihres Heimatortes. Die scheinen viel mehr Dialektausdrücke zu kennen als ihre Enkel. Wobei: Ist diese Auffassung eigentlich richtig? Von den UDI-Mitarbeitern lernen die Fränki-Schüler, vorsichtig zu sein, was pauschale Vorstellungen anbelangt. Wer ein echter Dialektforscher werden will, formuliert seine Annahmen stets in Form von Forschungshypothesen. Im zweiten Teil des "Fränki"-Projekts wird eben dies in der Klasse getan. Im Anschluss gehen die Schüler ihrer These auf den Grund. Kennt Oma wirklich mehr Dialektausdrücke als ihr Enkel? Und ist dies bei allen Omas so?

Interesse am Forschen wecken

Durch Fränki versuchen die UDI-Mitarbeiter, früh das Interesse von Schülern am Forschen zu wecken. Bei einem Schulbesuch Anfang 2010 werden sie sich persönlich im Gymnasium vorstellen. Die Schüler lernen an diesem Tag womöglich zum ersten Mal einen echten Forscher kennen. Und erfahren, dass es ganz schön anstrengend ist, die Wirklichkeit zu erfassen. Gelingen kann dies nur, bekommen sie erklärt, wenn gute Fragen formuliert und umfangreiche Untersuchungen angestellt werden.

Uni-Luft schnuppern

Die Aussicht, ihre Forschungsergebnisse im Sommer auf einem "Minikongress" an der Uni Würzburg vorzustellen, ködert die Kids. Wie aufregend, Uni-Luft zu schnuppern! Wie aufregend aber auch die Aussicht, den Dialektkurzfilm bereits im März vor Schülern aus ganz Unterfranken in einem Hörsaal zeigen zu können! Damit es für den Film nicht an Ideen hapert, gaben die UDI-Mitarbeiter den Lehrern bei der Filmschulung Impulse für den Unterricht. Welcher Gattung soll der Film angehören? Er kann eine zwei- bis fünfminütige Komödie werden, ein Krimi, ein Horrorfilm, eine Romanze oder ein Heimatfilm. Inhaltlich könnte der Film Situationen vor Ort aufgreifen, in denen mit Dialekt gesprochen wird. Bauern bei der Arbeit werden zum Beispiel sehr wahrscheinlich nicht Hochdeutsch sprechen.

(Quelle: Pat Christ, in: Bote vom Untermain vom 09.12.2009)

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