Heinrich von Kleist am Johannes-Butzbach-Gymnasium


12.01.2010

Eine mobile Produktion des Mainfrankentheaters Würzburg, betreut von der Theaterpädagogin Daniela Scheuren, gastierte vergangenen Dienstag am Johannes Butzbach Gymnasium in Miltenberg. Die moderne Bühnenfassung von "Michael Kohlhaas" von Heinrich von Kleist ist ein Einmannstück, welches durch seine intensive Gestik und moderne Aufbereitung besticht und die Schüler für den Stoff begeistern konnte. Das verzweifelte Ringen der Hauptfigur um Recht und Gerechtigkeit ist heute so aktuell wie zur Entstehungszeit der Erzählung vor genau 200 Jahren (1810). Der Schauspieler Kai Christian Moritz spielte für die 9. Klassen und führte im Anschluss daran ein ausführliches Gespräch mit Klasse 9c, die sich bereits im Deutschunterricht mit der Lektüre befasste und mit ihrer Deutschlehrerin Teresa Ruppert zahlreiche Fragen an den Schauspieler vorbereitet hatte.

Klasse 9c: "Wie kamen Sie auf die Idee mit dem Diaprojektor zu arbeiten?

Kai Christian Moritz: "Der Regisseur Christoph Diem ist den Reiseweg, den Kohlhaas in der Erzählung zurücklegt, abgefahren und hat auf diesem seine Eindrücke in Form eines Roadmovies eingefangen."

Klasse 9c: "Wie ist es mehrere Rollen zu spielen, und ist es schwer von einer zur anderen Rolle zu wechseln?"

Kai Christian Moritz: "Nein, es macht durchaus Spaß. Natürlich gehört dazu eine gewisse Begabung, aber auch regelmäßiges Training ist wichtig. So wie ein Musiker sein Instrument stimmen muss, so muss ein Schauspieler seinen Körper pflegen, ihn trainieren."

Klasse 9c: "Konnten Sie sich so in Michael Kohlhaas hineinversetzen, dass Sie sein Handeln und sein Mordbrennen als gerecht empfunden haben?"

Kai Christian Moritz: "Im Moment des Spielens empfinde ich sein Handeln zunächst als gerechtfertigt, denn Kohlhaas erhofft sich eine positive Entwicklung der Dinge. Allerdings läuft Kohlhaas' Handeln nach einer gewissen Zeit aus dem Ruder, nämlich als seine Anhänger ohne sein Einverständnis in seinem Namen weiter Raubzüge durchführen. Die Spirale der Gewalt läuft von alleine weiter. Die Inszenierung lässt jedoch am Ende, nach Kohlhaas' Hinrichtung, die Frage nach der Gerechtigkeit offen. Sie gibt den Zuschauern vielmehr die Aufgabe sich der eigenen Verantwortung in der Gesellschaft immer neu bewusst zu werden."

Klasse 9c: "Welche Szene ist Ihre Lieblingsszene?"

Kai Christian Moritz: "Meine Lieblingsszene ist die Schlussszene, in der Kohlhaas für seine Vergehen mit dem Leben bezahlen muss, wobei ich gleichzeitig auch am meisten Angst vor ihr habe, da ich mich in dieser mit freiem Oberkörper zeige, also sowohl psychisch als auch physisch nackt bin vor den Zuschauern. Eine Aufführung ist kein einseitiger Konsum wie Fernsehen oder Kino, sondern lebt von der unmittelbaren Teilnahme der Zuschauer. Diese und damit auch ihr Verhalten und ihre Reaktionen sind wesentlicher Bestandteil der Aufführung. Es gibt einen Spruch: Theater ist leben und leben ist lebensgefährlich."

(Theresa Ruppert)



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