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Neues Leben im Schwarzviertel -
JBG-Miltenberg eröffnet die Schülergalerie „kunstvoll“
Ein bisschen verrückt – im positiven Sinn – muss man wohl sein, wenn
man sich auf Kunst einlässt. Und ein bisschen verrückt muss man auch
sein, wenn man sich traut, eine neue Galerie zu eröffnen. So „verrückt“
sind vor allem Schülerinnen und Schüler, aber auch Lehrer und Eltern
des Johannes-Butzbach-Gymnasiums Miltenberg. Sie haben nämlich am
Freitagabend mit einer rundum gelungenen Vernissage den Startschuss für
die Schülergalerie „kunstvoll“ im Schwarzviertel gegeben. Jeweils vier
Wochen lang sollen von jetzt an Arbeiten von Schülerinnen und Schülern
der Öffentlichkeit gezeigt werden, die nicht nur im Kunstunterricht des
Gymnasiums ihre Kreativität ausleben. Das Besondere: die jungen
Künstler malen, zeichnen und fotografieren nicht nur, sie kümmern sich
auch um die Vorbereitungen, organisieren Veranstaltungen, rühren die
Werbetrommel, requirieren Sponsorengelder – sie betreiben also ganz
handfestes Ausstellungsmanagement und machen das, was eine alte –
vermutlich verfälschte - Lebensweisheit schon immer forderte: „Nicht
für die Schule, für das Leben lernen wir.“
Die Idee hatte vor
einem guten Jahr der Kunsterzieher des JBG, Xaver Weindl. Als ihm zwei
Schülerinnen aus der 11.Klasse, Sina Neuberger und Luisa Macharowsky,
ihre „inszenierten Fotografien“ zeigten, war er sofort begeistert.
Gemeinsam überlegten sie, wie man das künstlerische Potential am JBG
auch außerhalb der Schule präsentieren könnte. Und dann arbeiteten
viele zusammen, fanden mit Hilfe der Stadt im Norden des
Schwarzviertels Räume im Erdgeschoss eines Hauses, einer ehemaligen
Metzgerei, die die Besitzer unendgeldlich zur Verfügung stellten. So
musste man „nur“ die Räume in einen präsentablen Zustand bringen,
Sponsoren finden, die für die Nebenkosten aufkommen und immer dann
einspringen, wenn wieder mal etwas benötigt wird. Neben einigen anderen
Sponsoren war auch der Elternbeirat des JBG gleich bereit, die
kreativen und aktiven jungen Leute zu unterstützen.
Und nun gab
es den Startschuss: mit „Zebrastuhl“, einer Fotoausstellung mit
Bildern, die Sina Neuberger und Luisa Macharowsky mit einer
Digitalkamera – für Interessierte: einer 3,2 Megapixel „Olympus“ –
geschossen haben und die tatsächlich als „inszenierte Fotos“ voller
Atmosphäre, Stimmungen und Gefühlen den Betrachter zur eigenen
Interpretation auffordern. Beide Fotokünstlerinnen sind sich da ganz
einig: „Wir wollen mit den Fotos etwas aussagen, aber jeder, der sie
anschaut, soll auch mit ihnen selbst etwas anfangen.“
Der Titel
erklärt sich durch das erste Foto der beiden: Sie sind tatsächlich mit
einem Stuhl mit Zebramuster durch Bürgstadt gelaufen, sie haben z.B.
auch mit dem Hochzeitskleid der Mutter auf einem Feuerwehrübungsplatz
posiert. „Ein bisschen verrückt“ nennen das Luisa Macharowsky und Sina
Neuberger selbst und sind sich sicher, dass sie damit der
Öffentlichkeit einen kleinen Einblick in jugendliche Lebenswelten und
–vorstellungen schenken können.
Das Interesse ist offensichtlich
groß, die Begeisterung auch. Bürgermeister Joachim Bieber lobte: „Ihr
wertet damit unser Schwarzviertel auf“, Schulleiter Joachim Fertig
lobte, dass mit der Aktion die Eigenständigkeit von Schülerinnen und
Schülern gestärkt werde und sowohl die Schule, wie auch die Stadt davon
profitierten. Und auch der Kunsterzieher Weindl, so etwas wie der
Spiritus rector der ganzen Idee, war vom Besuch und von den Fotos
überwältigt: Das sei mehr als gute Fotografie, hier würden menschliche
Körper als Bildträger gezeigt und die Fotos könnten Sehgewohnheiten
spielerisch in Frage stellen.
Mit strahlenden Trompetenklängen
vor der Türe der Galerie hatte der 19-jährige Martin Graner die
Besucher zur Kunst gelockt, drinnen sorgte Laura Neuberger am Keyboard
für den guten Ton – eine rundum gelungene Vernissage mit angenehm
kurzen Reden eben. Und so soll es nun im Vierwochenturnus weitergehen.
Die nächste Vernissage steht schon fest: Mitte Februar wird Malerei und
Glasgravur zu sehen sein. Und ein Ende ist nicht abzusehen: „Für das
kommende Jahr liegen bereits feste Anmeldungen vor“, versichert Xaver
Weindl.
Die Öffnungszeiten der Galerie „kunstvoll“ in der
Hauptstraße 260 in Miltenberg: Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr.
Die Ausstellung „Zebrastuhl“ ist noch bis zum 14.2. zu sehen. Nähere
Informationen gibt es im Internet unter www.zebrastuhl.de.
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