Der Weimarer Kulturexpress macht Halt am JBG

Am Freitag, dem 28.10.2011 gab es für die Mittelstufe, die 8., 9. und 10. Jahrgangsstufe des Johannes-Butzbach-Gymnasiums einen ganz besonderen Ausklang in die Herbstferien. Zwei Schauspieler vom Weimarer Kulturexpress, Rosa Jansen und Henrik Hänel, behandelten in einem einstündigen Theaterstück ein präsentes sowie wichtiges Thema, das vor allem Jugendliche betrifft, nämlich den Alkohol und die damit verbundene Suchtgefahr.

Die beiden 25-Jährigen wohnen in Berlin und sind seit ihrer Zusammenarbeit befreundet. Nachdem beide ihre Schauspielausbildung abgeschlossen hatten, stießen sie 2011 jeweils durch Bekannte auf den Weimarer Kulturexpress, der sich neben der Alkoholsucht auch noch mit weiteren Themen, beispielsweise Mobbing oder Gewalt in der Familie, befasst. Unterwegs sind die beiden in ganz Deutschland, so kamen sie vergangene Woche von Berlin bis an die österreichische Grenze. Dieses Leben, ständig von Ort zu Ort zu reisen, offenbart zahlreiche positive Seiten wie beispielsweise das Kennenlernen verschiedener Orte und Menschen; es birgt aber auch eine Schattenseite, wie die Einsamkeit, die aufkommt, wenn man jede Nacht in einem anderen Hotelzimmer übernachtet. "Eine Zeit lang ist es sehr schön, weil es auch sehr abenteuerlich ist, aber es ist kein Job, den man für immer machen möchte", so Rosa Jansen.

Im Theaterstück begegnen sich ein alkoholsüchtiger Jugendlicher und ein Mädchen, das bisher mit Alkohol noch nicht in Berührung kam. Er versucht bei jeder Gelegenheit, sie zum Alkohol zu verführen, er selbst trinkt ständig. Da das Mädchen dem Jungen aber gefallen möchte und ihn beeindrucken will, greift es schließlich auch zur Flasche. Dieses Phänomen ist auch in der Realität zu beobachten, wie Henrik Hänel und Rosa Jansen wissen: "Es gab schon Schulen, an denen uns der Direktor angesprochen hat, dass die Schüler sich jeden Montagmorgen im Unterricht unterhalten, wer wie viel getrunken hat und daraus einen Wettbewerb machen. Teilweise gaben sie schon damit an, dass sie kurz im Gefängnis waren - wegen irgendwelchen Sachen, die sie im Rausch gemacht hatten. Einmal sprach uns eine Lehrerin sogar auf einen Todesfall auf Grund übermäßigen Alkoholkonsums an ihrer Schule an". Auch im Stück erlangt der Jugendliche erst Anerkennung und Respekt von anderen Klassenkameraden, als er anfing, zu trinken. Man merkte, so die Schauspieler, dass das Thema sehr aktuell sei und es wichtig sei, mit den Schülern darüber zu reden. Dabei werden die Schauspieler auch regelmäßig von verschiedenen Seiten darin bestätigt, dass das, was sie machen, sehr gut ankomme, da die Schüler sie eher als Gleichaltrige ansähen. So kommen auch oft Jugendliche mit ihren Problemen auf sie zu. Hier können sie mit ihrer Erfahrung helfen, aber verweisen auch auf professionelle Drogenberatungsstellen. "Das Stück regt die Schüler zum Nachdenken an, denn Jugendliche davon abzuhalten, sich ins Koma zu saufen, können wir tatsächlich nicht, aber wir können vielleicht erreichen, dass sie sich selbst dazu entscheiden, es nicht zu tun", so der 25-jährige Hänel. Für beide ist es ein Erfolg, wenn nur ein Jugendlicher, der wieder einmal mit Alkohol konfrontiert wird, in diesem Moment an das Theaterstück denkt. Denn die Darsteller wissen auch, dass sie nie alle erreichen können.

Auf der Bühne werden weitere Gründe deutlich, weshalb man zur Flasche greift - nämlich Einsamkeit und Verzweiflung. Außerdem wird über die Folgen übermäßigen Alkoholkonsums aufgeklärt: Die Jugendliche im Spiel verliert ihre Freundin, die schulischen Leistungen werden immer schlechter und der Körper reagiert auf die Sucht. Genau das wünscht sich die Berlinerin Jansen auch im Alltag, sprich in den Medien. "Man sollte Jugendliche einfach früher und besser aufklären, denn in den Medien wird häufig nur gezeigt, wie toll Alkohol ist: man feiert tolle Partys, man traut sich endlich, seine Traumfrau anzusprechen. Aber die schlimmen Seiten, wie dass Leute sich dann übergeben müssen oder in die Hosen machen - Dinge, die eigentlich alle total peinlich sind, die werden nicht gezeigt. "Wenn man darüber aufklärt, dann ist der Reiz, glaube ich, gar nicht mehr so groß", so Rosa Jensens Meinung. Die Altersbegrenzungen für Genussmittel wie Alkohol halten die Jungschauspieler für sinnvoll, wobei sie auch Bestimmungen wie in den USA unterstützen, laut denen man erst ab 21 Jahren Alkohol trinken darf. Denn die körperliche Entwicklung ist erst mit 20 Jahren abgeschlossen und solange ein Körper sich noch entwickelt, kann er durch Alkoholkonsum darunter leiden. Die Kontrollen zur Einhaltung der Altersgrenzen sollten nach Meinung der beiden noch verschärft werden. Henrik Hänel arbeitete selbst einmal kurz an der Kasse eines Supermarktes und kann somit sagen, dass oft auch die eine oder andere Flasche an einen Unter-16-Jährigen verkauft wird.

Am Ende des Schauspiels wird die Jugendliche bewusstlos gefunden. In Form einer Radioansage wurden die Schüler noch über Statistiken rund um das Thema informiert. Die Darsteller betonten zum Abschluss, dass das Stück keine wirkliche Lösung für das Problem Alkoholsucht habe, sondern eher zur Prävention dient, denn es liegt an jedem Einzelnen selbst, wie er mit Alkohol umgeht.

(Marco Bretzigheimer, 9a)

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(Fotos: Sarah Schiebel, Christoph Grein)


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