Kult und Spiritismus unter dünnem christlichen Firnis

Theatergruppe des Johannes-Butzbach-Gymnasiums zeigt "Hexenjagd" von Arthur Miller -
Wahn glaubhaft gespielt

M i l t e n b e r g. Spiritismus, Voodoo-Kult und Hexenwahn treiben mehr denn je weltweit ihr Unwesen. Vor allem in Süd-, aber auch in Nordamerika brodeln sie unter einem dünnen christlichen Firnis. Der amerikanische Gegenwartsautor Arthur Miller, der seinen Weltruhm mit dem Drama "Der Tod eines Handlungsreisenden" begründet hat, verurteilt in seinem Erfolgsstück "Hexenjagd" aus den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts die Exzesse des nordamerikanischen Puritanismus, durch die Tausende unschuldige Menschen wegen ihres vermeintlichen Umgangs mit dem Teufel vor mehr als 300 Jahren ihr Leben verloren.
Die renommierte Theatertruppe des Johannes-Butzbach-Gymnasiums Miltenberg wagte sich unter der umsichtigen Regie von Boris Hackl an das heikle Thema. Die Hysterie des geltungsbedürftigen Mädchens Abigail (Alexandra Brehm) hatte 1692 in dem Städtchen Salem (Massachusetts) einen Hexenwahn ausgelöst, dessen Verfolgung durch Obrigkeit und Kirche einen Großteil der Einwohner ins Unheil stürzte. Ein überquellendes Gefängnis und zahlreiche Todesurteile markierten die engstirnige Denkweise fanatischer Protestanten.
Dabei war der Ausgangspunkt harmloser Natur. Eine Handvoll übermütiger weiblicher Teenager traf sich zu nächtlichen Zusammenkünften im Wald, tanzte zuweilen nackt um ein Feuer und trieb allerlei Hokuspokus mit einem dampfenden Kessel voller Sud aus geheimnisvollen Kräutern. Die Schwarze Tituba (Carolina Breunig) wurde von Abigail veranlasst, Teufelsbeschwörungen vorzunehmen. Um der Strafe der verbotenen Eskapaden zu entgehen, gaben die Mädchen vor, behext zu sein.
Dem einfältigen Ortspastor von Salem, Samuel Parris (Angelika Keller), schien die schlechte körperliche Verfassung seiner Tochter Betty (Janine Breunig) nach dem nächtlichen Ausflug Beweis für Hexerei zu sein. Vorsichtshalber zog er seinen Amtsbruder Hale (Julia Zeller), einen in der Teufelsaustreibung erfahrenen Geistlichen, hinzu. Mit zahlreichen strengen Verhören vor Gericht (Mareike Zängerle, Eva Bauer, Peter Huhn) nahm das Unheil seinen Lauf. Tituba erzählt, sie habe Umgang mit dem Satan, und angesehene, fromme Frauen aus Salem seien dessen Dienerinnen. Das Geständnis löst eine Massenhysterie aus. Die von der durchtriebenen Abigail aufgeputschten Mädchen beschuldigen viele willkürlich des Umgangs mit dem Teufel, auf die dann nur noch der Strang wartet. Massenexekutionen waren die Folge.
Als tragisches Einzelschicksal schält sich der Fall des Ehepaares John (Max Heller) und Elisabeth (Veronika Repp) Proctor heraus. Der einmalige Fehltritt von John mit Abigail war Johns Frau nicht entgangen. Abigail wollte Elisabeth ebenfalls am Galgen sehen, um John endgültig für sich zu haben. John bat seine Exbedienstete inständig, den Vorwurf der Hexerei von seiner Frau zurückzunehmen. Doch ohne Erfolg.
Zu guter Letzt bezichtigte sich John Proctor des Ehebruchs, auf den damals die Todesstrafe stand, um seine Frau zu retten, und klärte Abigails Machenschaften auf. John geht wegen seiner ehelichen Verfehlung aufrecht in den Tod.
Trotz des Affentheaters weigert sich Rebecca Nurse (Natascha Lauth), eine kluge und gottesfürchtige Frau, um den Preis ihrer Rettung Umgang mit dem Bösen zuzugeben. Dem Gericht und den Pastoren kommen Zweifel über den von Abigail angezettelten Hexenwahn.
Obwohl es nur Laien waren, die auf der Buhne standen, gelang es ihnen, Millers "Hexenjagd" mit ihrer ganzen Problematik und dem damit verbundenen religiösen Wahn glaubhaft herüber zu bringen. Auch die Darstellung der einzelnen Charaktere durfte in Sprache und Mimik überzeugen. Das Bühnenbild gefiel.
Das Johannes-Butzbach-Gymnasium ist damit seiner langjährigen Theatertradition treu geblieben.

Wolfgang Tulaszewski, aus: Bote vom Untermain, 27.06.2003

Umgang mit dem Teufel will die Schwarze Tituba gehabt haben.
Auch angesehene Frauen sollen mit ihm verkehrt haben. (Foto: Privat)
zurück