Chemielaborant/in
Abitur und dann? - Diese Frage habe ich mir ein Jahr vor meinem Abi
(das war dann 1999) natürlich auch gestellt. Da ich von der vielen, oft
langweiligen Theorie an der Schule echt genug hatte, war für mich klar kein
Studium, sondern eine Ausbildung zu machen. Während meiner Facharbeit in Chemie
arbeitete ich viel im Labor, und so kam mir die Idee, dies zu meinem Beruf zu
machen und Chemielaborantin zu werden.
Von der Berufsberatung bekam ich dann Adressen von Chemiefirmen im Landkreis
Miltenberg (außer der Akzo, jetzt Acordis gibt es da aber nicht viel) und von
ganz vielen Firmen im Rhein-Main-Gebiet und darüber hinaus. Ich entschied mich
dann für die Firma Merck in Darmstadt. Merck hat in Darmstadt 8000 Mitarbeiter,
weltweit 24000 und gliedert sich auf in die Sparten Pharma, Spezialchemie (Flüssigkristalle
und Perlglanzpigmente) und Laborbedarf.
Damit ihr ein Bild von der Ausbildung und dem Beruf eines/einer Chemielaboranten/in
bekommt, zähle ich mal einfach alles auf, was mir einfällt und wichtig
erscheint. Also:
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Die Ausbildung dauert 3 1/2 Jahre, kann auf 3 oder
sogar 2 1/2 Jahre verkürzt werden. Das hängt von der Leistungen und der Firma
ab.
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Man verdient in der Ausbildung zuerst ca
1100DM und am Ende dann ca 1400DM brutto. Nach der Ausbildung bekommt man etwa
3600DM.
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Schulabschluss: mittlere Reife oder Abitur
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Aufstiegschancen:
man kann ein berufsbegleitendes Studium machen oder andere
Fortbildungsveranstaltungen besuchen. Dies hängt natürlich wieder vom Angebot
der Firma ab
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Die Ausbildung beginnt mit
ausführlichen Sicherheitsbelehrungen, denn die Sicherheit steht natürlich
gerade in Chemieberufen an allererster Stelle.
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Die praktische Arbeit teilt sich in 2 große Felder ein:
1. Analytik
wie der Name schon sagt, man führt Analysen durch. Es gibt da nahezu unendlich
viele Möglichkeiten. Es geht immer darum herauszufinden, woraus eine Probe
besteht (Oualitative Analyse) bzw. wie viel sie von einem oder mehreren Stoffen
enthält oder wie rein sie ist(Quantitative Analyse). Wie man das dann genau
macht, hängt dann vom Einzelfall ab. Manche Analysen müssen noch richtig mit
Hand ausgeführt werden, für andere gibt es Maschinen, der Laborant hat dann nur
die Aufgaben, die Probe richtig vorzubereiten und die Analyse auszuwerten.
Analytische Labors gibt es bei Merck nahezu in jedem
Bereich. Alle Produkte durchlaufen bevor sie das Werk verlassen eine
Qualitätskontrolle, denn besonders bei den Arzneimitteln ist es wichtig, dass
die Zusammensetzung stimmt. Nach ihrer Ausbildung arbeiten also sehr viele
Laboranten in der Analytik
2. Präparatives Arbeiten :
man stellt Substanzen her. Man muss also
Apparaturen aufbauen, die Ausgangsstoffe einwiegen, die Reaktion starten, den
Reaktionsverlauf kontrollieren (hierzu braucht man dann wieder die Analytik)
und wenn dann die Reaktion fertig ist das gewünschte Produkt aus dem
Reaktionsgemisch isolieren. Das präparative Arbeiten ist meist spannender wie
die Analytik. Man weiß nie, ob die Reaktion wirklich so läuft, wie sie soll.
Oft wird auch versucht, bekannte Reaktionen zu verbessern, indem man andere
Katalysatoren einsetzt, die Temperatur erhöht oder ähnliches. Das Ziel ist
immer, eine möglichst hohe Ausbeute mit möglichst günstigen Ausgangsstoffen zu
bekommen.
Bei der Entwicklung eines neuen Produktes beginnt man
immer mit ganz wenig Substanz (man setzt nur wenige Milligramm ein) und überträgt
die Reaktion wenn sie dann ausgereift ist auf einen großen Maßstab (mehrere
Hundert Kilogramm)
Chemielaboranten arbeiten also in der Forschung und
entwickeln dort neue Substanzen, übertragen Reaktionen vom kleinen in den
großen Maßstab und befüllen und überwachen große Anlagen in der Produktion.
Man sieht
also, die Einsatzmöglichkeiten sind sehr vielfältig und abwechslungsreich.
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wie die Ausbildung denn
jetzt aussieht, kann ich euch nur am Beispiel von Merck schildern.
1. Praktisch:
Wir (32 Chemielaboranten, die
alle im August 1999 angefangen haben) haben verschiedene Praktika im
Ausbildungslabor, die immer etwa 3 Monate dauern und sich dann jeweils mit
einem Themenbereich befassen. Man bekommt Theorieuntericht und führt dazu praktische
Versuche durch. Diese Praktika nehmen etwa die Hälfte der Ausbildungszeit ein.
Die andere Hälfte ist jeder Azubi in einem Labor im
Betrieb untergebracht, also nicht mehr in der Gruppe und arbeitet dort nach
Anweisung der anderen Labormitarbeiter richtig mit. Man ist etwa 3 Monate in einem
Labor und wechselt dann in ein anderes. So durchläuft man während der
Ausbildung mehrere Labors aus verschieden Bereichen und bekommt schon mal einen
Einblick, wo man denn später fest arbeiten möchte, ob einem denn zum Beispiel
die Arbeit in einem präparativen oder analytischen Labor mehr Spaß macht.
2. Werksunterricht:
einmal alle 2 Wochen,
Fächer: organische Chemie, anorganische Chemie,
Physik, Fachrechnen und Fachenglisch
3. Berufsschule:
ein- oder zweimal die Woche, Fächer
wie oben, zusätzlich Deutsch, Religion und Wirtschafts- und Sozialkunde
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Benotung:
man schreibt in Berufsschule, Werksunterricht und praktikumsbegleitenden
Unterichten Arbeiten, außerdem werden die Versuche im Praktikum bewertet
FAZIT:
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Chemielaborant/in
gehört sicherlich zu den anspruchsvolleren Ausbildungsberufen
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Man sollte sich nicht
nur für Chemie, sondern auch für andere Naturwissenschaften, ganz besonders
Physik interessieren und auch bereit sein, viel mit Computern zu arbeiten
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Wer denkt, er macht die
Ausbildung zum/zur Chemielaboranten/in und legt sich dann was das Lernen angeht
auf die faule Haut, der sollte es besser lassen
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Auch wenn sich das jetzt
so anhört, als möchte ich euch von dieser Ausbildung abraten, ist es nicht so.
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Die Ausbildung macht viel Spaß, die Mischung aus
Theorie und Praxis ist gut und ich bereue keinesfalls, dass ich mich für diese
Ausbildung und die Firma Merck entschieden habe
--> ich würde es jederzeit wieder tun
Aussichten auf dem Arbeitsmarkt:
Der Laborant kann wohl nie gänzlich durch Maschinen
und Computer ersetzt werden. Außerdem sind die Einsatzmöglichkeiten sehr
vielfältig. Merck hat derzeit einen schier unstillbaren Bedarf an Laboranten,
und ich denke, dass es anderen Firmen nicht anders geht. Die Chancen
übernommmen zu werden bzw. eine andere Stelle zu bekommen, sind meiner Meinung
nach also sehr gut.
noch ein Tipp:
ich rate euch zu einer Ausbildung bei einer großen
Firma. Sie ist dort einfach umfassender, es gibt extra Ausbildungsabteilungen,
Jugend- und Auszubildendenvertretungen, die die Azubis vor Firma und
Betriebsrat vertreten und außerdem macht doch die Ausbildung in einer großen
Gruppe viel mehr Spaß als wenn man der einzige Azubi in einer Firma ist.
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