Lieber Leser!

Falls du, lieber Leser, tatsächlich selbst eines Tages in die beneidenswerte Situation kommen solltest, eine eigene Abiturzeitung anfertigen zu dürfen, dann sei dir dessen bewußt, daß die Charakteristiken ein Thema für sich und so etwas wie das Herzstück (H) des Gesamtwerkes (G) sind. Es empfiehlt sich daher gewisse Normen und Regeln zum Erstellen eben dieses H zu kreieren, damit das G eine würdige Form sowie einen ansprechenden Inhalt erhält. Würdig wäre zum Beispiel mit der Nennung des zu charakterisierenden Kollegiaten (im Folgenden ist mit Kollegiat, er, ihm, sein, ... immer auch der weibliche Kollegiat gemeint) zu beginnen und seinen Namen sowie seine Leistungskurse mit einem Mehraufwand an Druckerschwärze zu betonen, etwa so:
    Heinz Mustermann Sp/Chor
Als dann liegt es nahe, mit dem Aufzählen seiner schönsten Spitz- und Kosenamen (S-und K-Namen) fortzufahren:
    Heinz, Mustermann, Heinzi, Musti, Manni, o.ä.
Falls dir, lieber Leser, keine S-und K-Namen bekannt sind, so liegt es allein in deinen Händen jetzt höchstselbe zu kreieren. Das einfachste ist schlicht, den einen oder anderen Buchstaben des Taufnamens wegzulassen oder, noch edler, einen zusätzlichen Buchstaben (am besten Vokal oder "y" am Namensende) hinzuzufügen:
    Hein, Heinzy, Heinzi, Einz, Mumann
Hast du auch diese Hürde genommen, lieber Leser, so schreite nun voran, den Kern der Charakteristik schriftlich zu fixieren. Da Kreativität, Abwechslung und Humor an dieser Stelle vom Rezipienten bestenfalls als störend empfunden werden, gilt es einige geheime Standardwendungen, die zur genauen Beschreibung eines jeden Kollegiaten vollständig ausreichen, geschickt anzuwenden. In Abhängigkeit vom Objekt des Textes schreibst du also:
    Heinz Mustermann war für jeden/keinen Spaß zu haben.
Um einer gewissen Monotonie entgegenzuwirken, empfiehlt sich an dieser Stelle das Aufgreifen der zuvor definierten S-und K-Namen: Man konnte mit "Heinzy" (keine) Pferde stehlen.
    Hein war ein/kein guter Schüler.
Zur Ausschmückung der S-und K-Namen kann man nun geschickt eingewobene Relativsätze heranziehen:
    Mustermann, wie er von uns nur halb im Scherz genannt wurde, war sehr (un-)sportlich.
Abschließend solltest du unbedingt einen, in jedem Fall positiven, Wunsch für die Zukunft anschließen. Dieser sollte an die beschriebene Person gerichtet sein und etwa wie folgt lauten:
    Für die Zukunft, wünschen wir Heinzi alle positive.
Die post-schulischen Tätigkeiten (Zivi, Bund, Frwl. soz. Jahr, Arbeit, Urlaub) dürfen getrost unerwähnt bleiben.
Mit diesem reichhaltige Angebot an kurzweiligen Beschreibungen ist es dir, lieber Leser, meisterlich gelungen, eine persönliche und treffende Charakteristik deines Mitkollegiaten zu erstellen.
Nebenbei hat sich dein Arbeitsaufwand in einem erträglichen Rahmen gehalten.

Viel Spaß beim Selbercharakterisieren,

Eure 13er


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