Diana Gabaldon, Feuer und Stein

Eigentlich gibt es nur zwei Arten von Lesern: die, die dieses Buch hassen und die, die es lieben. Nun, man könnte noch eine dritte Gruppe hinzufügen: Menschen, die dieses Buch vergöttern. Ich gehöre zu Letzteren und will hier eine Buchkritik verfassen. Aber weil ich eben emotional mehr als beeinflusst bin, wird das eher ein Aufruf:
Lest dieses Buch! Lest es! Lest!

Im Zentrum des Buches stehen Claire ( geb. Beauchaup) und Jamie Fraser, Jamie Alexander Malcom MacKenzie Fraser. Und bei Gott, dieser Mann kann nur von einer Frau (Diana Gabaldon) geschaffen worden sein. Ich verbeuge mich tief vor dieser Autorin, küsse ihr die Füße und krächze feierlich: Sisters in mind!
Gut, die Geschichte mag etwas ... konstruiert und märchenhaft klingen, aber ist das wirklich wichtig? Nein.

Rein inhaltlich geht es zunächst um die junge, englische Lazarettschwester Claire Randall, die während des Zweiten Weltkriegs von ihrem Mann getrennt ihrem Beruf nachging, nun wieder mit ihm vereint Urlaub in Schottland macht. Wir schreiben das Jahr des Herrn 1945. So harmlos geht es also los. Der Leser darf unter anderem Claire dabei zuschauen, wie sie Kräuter pflückt, als sie zufällig in einen Steinkreis latscht. Sie verliert ihr Bewusstsein und als sie wieder aufwacht schreiben wir das Jahr des Herrn 1744. Sie muss irgendwie durch ein Zeitloch gefallen sein und weil es zu dieser Zeit für Weibsbilder eher ungewöhnlich ist alleine herumzulaufen, wird sie von einer Bande Schotten mitgenommen (oder besser festgenommen).
Ab hier wird die eigentliche Handlung eher unwichtig, denn Claire lernt Jamie kennen und ihre Liebe füreinander tritt in den Vordergrund. Getrieben vom Wunsch, dass diese, wenigstens diese Liebe ewig halten mag, peitscht sich der Leser durch die folgenden wunderbaren 800 Seiten. Man erfährt, dass der Vorfahre von Claires eigentlichem Mann Frank Randall der Erzfeind ihrer neuen Liebe ist: der sadistische Offizier Jack Randall. Er hat nicht nur seine Finger im Spiel, wenn es heißt, die Schotten zu unterdrücken und ihre Clans zu zerstören, nein, er hat auch in jungen Jahren Jamie ausgepeitscht, seine Schwester beinahe vergewaltigt und sein Zuhause geplündert. Randall ist es auch, der Jamie später ebenfalls vergewaltigt und misshandelt und Himmelherrgottsakrament, er bricht ihm die Seele. Claire kann sie aber mit etwas Magie am Schluss des Buches zusammenflicken und erwartet schließlich auch noch ein Kind vom ihm.

Die Faszination, die von diesem Mann ausgeht, liegt vielleicht auch in der Zeit, in der er lebt. Ähnlich wie in Braveheart, gibt es hier eindeutige Feindbilder, es gibt so etwas wie moralische Werte: Ehrlichkeit, Tapferkeit, Ehre und bedingungsloser Einsatz für seine Familie und deren Freiheit.

Ende gut, alles gut, könnte man jetzt sagen, leider hat die Sache einen Haken: es gibt noch einen 2., 3. und 4.Band.
Warum? Diana? Warum? Gut, ich habe mich durch den zweiten Band (979 Seiten) gequält, ebenfalls durch den dritten (1074 Seiten) und wenn ich ehrlich bin, dann stehle ich mich ab und an in die Buchhandlung und blättere im vierten Band. Und ich musste Dinge miterleben, die wahrscheinlich den fanatischsten Leser zum Weinen gebracht hätten.
Dabei sehnt man sich nur nach einem: nach dieser wunderbaren, wilden Liebe, nach Dauer und nach Zeitlosigkeit. Nach noch einer zärtlichen Begegnung zwischen den beiden.

Aber alles verändert sich und wir werden älter, sogar Jamie wird das.
Abschließend empfehle ich also aus tiefstem Herzen den allerersten Band ("Feuer und Stein"), und nur diesen, zu lesen. Lasst euch nicht dazu verleiten auch noch die anderen zu lesen, wie stark auch der Wunsch sein mag. Tut es nicht. Tut es nicht. Es wird nicht besser werden.

Kathi Ficek


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