Rules

- mehr als ein amerikanisches Soldaten-Ehrenkodex-Gerechtigkeits-Marine-Drama.

In den Hauptrollen Samuel L. Jackson und Tommy Lee Jones. Jackson, nennen wir in einmal Held, ist nicht nur ein waschechter Marineleutnant, der Vietnam überlebt hat und dabei Tommy Lee Jones (nennen wir ihn einmal Vaterkomplexgeschädigter) das Leben gerettet hat, nein, Held soll auch 28 Jahre später die amerikanische Botschaft im Jemen schützen und sie gegebenenfalls evakuieren. Als Held mit einigen Blackhawks im Jemen ankommt, hat sich die sonst so friedliche Demonstrationsgruppe vor der Botschaft in ein steinschmeißendes, feuerspeiendes Bündel aus Männern, Frauen und Kindern verwandelt und Heckenschützen bearbeiten amerikanisches Hoheitsgebiet. Sofort werden der Botschafter und seine Familie evakuiert, heldenhaft rettet Held (unter Einsatz seines Lebens!) auch die heiligen Sterne und Streifen. Nachdem die Botschafterfamilie in Sicherheit ist, kehrt Held zu seinen Männern zurück, die tapfer, aber leider nicht mehr ganz vollzählig, auf den Dächern der Botschaft ausharren. Held kann als einziger auf die Menge unter ihm blicken und seine großen Augen sehen Zivilisten, die nun keine mehr sind, weil sie bewaffnet sind. Ja, die Meute hat Waffen und Marines sterben. Keine Frage, das Feuer wird erwidert und binnen Sekunden sind 83 Jemeniten (Frauen und Kinder) tot. Zu Hause wartet eine dreiteilige Anklage auf Held, unter anderem wird er des Mordes beschuldigt und es kommt, wie es kommen muss: keine Entlastungszeugen weit und breit, keine Spur von Waffen bei den Demonstranten. Nur Fotos von schrecklich zugerichteten Kindern, die um die Welt gehen. Und Tommy Lee ist der Verteidiger. Ungefähr ab hier wird es dem Zuschauer dann besonders leicht gemacht, er weiß nämlich, dass Videobänder der Überwachungskamera existieren, die die Unschuld von Held beweisen, aber, und hier geht auch jede angedeutete Spannung verloren, die Bänder werden von dem Oberoberankläger verbrannt. Zu dumm. Wirklich zu dumm. Es folgt ein eher langatmiger Prozess, bei dem es darum geht, aus nicht vorhandenem Beweismaterial die richtigen Schlüsse zu ziehen und es wäre kein amerikanischer Film, wenn die Geschworenen (mit ihrem angeborenen Instinkt für Gerechtigkeit im Sinne Amerikas) nicht am Schluss Held praktisch freisprechen würden und das Gute gewinnt und dem Bösen noch im Abspann der Garaus gemacht wird. Der Zuschauer bleibt zurück und weiß jetzt endgültig, dass Marine zu sein mehr als ein Beruf, mehr als ein Berufung ist. Marine zu sein bedeutet Geschichte zu schreiben, die Geschichte vom nie endenden Kampf für Gerechtigkeit. Danke Amerika. Wir haben verstanden.

Kathi Ficek


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