Was brauchen wir eigentlich?

Was fehlt? Was, um Himmels willen, haben wir verloren, dass wir nun so unfähig und gelähmt umher wandern und Unaussprechliches formulieren?

Sprachlosigkeit macht sich breit, aber unser sprachliches Unvermögen ist nicht das Problem, sondern das Fehlen der passenden Worte. Es ist, als ob es für all diese Dinge um uns herum keine Bezeichnung gäbe und damit verschwindet auch ihre tatsächliche Existenz. Und zurück bleiben wir, betrogen um den Zustand unserer Wirklichkeit, weil das Wort nicht am Anfang stand. Weil wir nur einmal im Jetzt waren und auf ein zweites Mal vergeblich warten werden. Weil wir noch, ehe wir in einem Augenblick heimisch geworden sind, in den nächsten gerissen werden.

Was fehlt?

Vielleicht die Sicherheit vor dem Nichts, der Mut vor der Vergänglichkeit und ganz bestimmt großartige Vorbilder, die der Zeit einen Namen geben, der Situation eine Bedeutung und uns ein Beispiel sind.

Wir brauchen Menschen die ihre Leidenschaften erkennen, ihre Ideen verwirklichen. Wir brauchen Kinder, die stärker sind als ihre Eltern und deswegen nicht verbittern. Wir brauchen Menschen die mit erhobenem Kopf altern, weil das Leben, welches hinter ihnen liegt, ihr Werk ist. Weil die Zeit, die verstrichen ist, ein Beweis für ihr Dasein ist und die Erinnerungen, die in ihren Köpfen lagern, nicht schmerzhafte Gedankenmosaike, sondern Bruchstücke eines lebenswerten Lebens sind. Wir brauchen die Erkenntnis, dass die Grenzenlosigkeit und Haltlosigkeit unserer Zeit keine Bedrohung ist, sondern ein Zustand der absoluten Freiheit.

Und diese Freiheit darf uns keine Angst machen. Sie darf uns nicht lähmen. Sie will uns sagen, dass eben nichts fehlt und dass alles so, wie es ist, eine Vollkommenheit in sich trägt, die beispiellos ist.


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